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Willkommen in der Bunten Republik
Ingolstadt (DK) „Anders? Cool!“ heißt eine Wanderausstellung, die gestern in der Mittelschule Auf der Schanz eröffnet wurde. Sie soll das sperrige Thema Integration aus der Perspektive junger Migranten beleuchten und es ihnen so näher bringen. Die Veranstalter wollen auch ermitteln, was man verbessern muss.
Was will der deutsche Staat seinen Bürgern eigentlich mit so furchteinflößenden Wörtern wie Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) sagen? Und mit den anderen Schauerlichkeiten des Amtsjargons? Die Besucher der Ausstellung „Anders? Cool!“ können an der Station „Bürokratiedschungel“ ihr Verwaltungswissen mit einem Quiz testen. Doch Deutschland ist weit mehr – nämlich eine „Bunte Republik“, wie einer der Filme mit Biografien von Migranten heißt, die man auf einem Monitor starten kann. Neben den Multimediaangeboten stehen Leitsätze: „Es ist normal, verschieden zu sein.“ Oder: „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ (Karl Valentin).
Der Initiator der Schau ist der Jugendmigrationsdienst in Kooperation mit der Schulsozialarbeit der Caritas und der Mittelschule Auf der Schanz. Magdalena Duschl und Miriam Pfaller, Studentinnen der Pädagogik, haben bereits zwei Klassen durch die Ausstellung geführt. „Die kam gut an!“, berichten sie. „Am besten hat den Schülern die Station gefallen, an der man Lieder in verschiedenen Sprachen hören kann.“ Die Studentinnen sind davon überzeugt, dass die Ausstellung dazu beiträgt, Vorurteile zu entkräften.
Genau darauf setzen die Veranstalter. „Migration und Integration sind hochpolitisch und werden in den Talkshows meist sehr abstrakt diskutiert“, erklärt Michael Holzer, der Jugendsozialarbeiter der Mittelschule Auf der Schanz. „Deshalb ist es das Ziel, das Thema auf die zuzuschneiden, die es besonders betrifft: Jugendliche.“ Und gleich danach: die Eltern. „Wir wollen in vielen Gesprächen rund um die Ausstellung wichtige Fragen stellen: Wie beurteilen Türken, die schon länger bei uns leben, das Thema Integration? Was läuft gut? Wo findet heute Diskriminierung statt? Und woran müssen wir noch arbeiten“ Dazu erhofft sich das Team Anstöße, erzählt Holzer. Eine Podiumsdiskussion in der Schule am nächsten Dienstag (19 Uhr) soll ebenfalls dazu beitragen.
Für Martin Diepold, den Konrektor, sind zwei Ziele besonders wichtig: Sprachkompetenz und die Mitarbeit der Eltern, um ein Bewusstsein für Integration zu entwickeln. „Unterschwellig haben nach wie vor viele Migranten das Gefühl: ,Richtig dazugehören tun wir noch nicht.’ Deshalb müssen sie dazu bereit sein, bei uns anzukommen“, erklärt Diepold. „Leider wird das nicht von allen Eltern vorgelebt. Und wir müssen ihnen die Chance geben, anzukommen!“ Schließlich gelte es die Angst zu überwinden, seine kulturellen Wurzeln zu verlieren. „Denn das ist überhaupt nicht der Fall!“
Von Christian Silvester
Quelle: DONAUKURIER